Wenige Tage nach seinem Amtsantritt sagte Außenminister
Steinmeier Deutschland sei "zu groß um die Weltpolitik nur zu
kommentieren". Er spricht von "tätiger Außenpolitik".
Frau von der Leyen bemerkte, "wir können nicht zur Seite
schauen, wenn Mord und Vergewaltigung an der Tagesordnung
sind."-- Bei der stattgefundenen, und von der "Waffenlobby"
gesponserten Sicherheitskonferenz am Wochenende in München,
sprach unser Bundespräsident Gauck sogar davon, Deutschland
solle sich "früher, entschiedener und substantieller einbringen".
Er forderte die Deutschen auf, "sich der Welt zuzuwenden".
Was bedeuten solche Worte und Aussagen für die deutsche
Außenpolitik?
Ist das der Ruf nach mehr Militäreinsätzen der Bundeswehr,
sprich Kriegseinsätzen? Und das nach zwei verheerenden Welt-
kriegen!
Nicht direkt, sie umschreiben es mit Sicherheit und Verantwor-
tung, um den außenpolitischen Wandel zu rechtfertigen.
Das erste Beispiel für den Wandel ist der Kontinent Afrika.
Die GroKo hat die Aufstockung der Ausbildungsmission in Mali
und die Entsendung einiger Flugzeuge in die Zentralafrikanische
Republik in Aussicht gestellt. Der Außenminister hat angeblich
erkannt, dass Mali ein Ort ist, an dem deutsche Soldaten für
Frieden und Sicherheit sorgen müssen.( ca.180 Soldaten sind
bereits in Mali).--- Noch nicht aus Afghanistan zurück, sollen
deutsche Soldaten in ein Land geschickt werden, von dessen
inneren Konflikten keine genauen Erkenntnisse vorliegen,
geschweige denn, dass eine Aufarbeitung des Afghanistaneinsatzes
bislang erfolgt ist.
Was ist mit den anderen Krisengebieten, Herr Gauck, Herr Stein-
meier, Frau von der Leyen? Südsudan,Somalia, Zentralafrika,
der Nahe Osten,Thailand, Bangladesch, Ukraine, was ist mit
den Drogenkriegen in Mexiko?. Soll Deutschland zum Welt-
polizisten avancieren?.
Nein!---- 100 Jahre nach Ausbruch des ersten Weltkriegs sollte
Deutschland andere Werte vermitteln und einsetzen.
Lohnende Diplomatie ist angesagt, echte Friedenspolitik.
Scharfe Kontrolle der Rüstungsindustrie und deren Exporte.
Es braucht eine Außenpolitik, die nicht vom Finanzkapitalismus
geleitet ist. Es bedarf endlich einer eigenständigen Rußland-
politik, die nicht vorrangig von den Interessen der USA geleitet
wird und echter Chancen für Europas Süden.
Hier ist Verantwortung in der Außenpolitik der richtige Ansatz.
----- Gerade, während ich diese Zeilen schreibe, meldet der Hör-
funk,dass die Bundesregierung den Export vom mehr als hundert
Patrouillen-und Grenzüberwachungsbooten nach Saudi-Arabien
("ein hoch demokratisches Land"),mit einer Bürgschaft von 1,4
Milliarden Euro unterstützen will. Es geht dabei um die "hohe
beschäftigungspolitische Bedeutung" dieses Handels, heißt es.
Horst Bohlen

1. Vorsitzender: Andreas Kunstreich-Deutsch
„Nichts kommt von selbst. Und nur wenig ist von Dauer. Darum – besinnt Euch auf Eure Kraft und darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will und man auf ihrer Höhe zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll.“
Willy Brandt, 15. September 1992
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