Der Gesundheitsmarkt ist ein Fass ohne Boden

Veröffentlicht am 05.04.2023 in Bundespolitik

Ein wenig bekanntes Institut bewertet die Wirksamkeit von Arzneimitteln und medizinischen Verfahren

Es lohnt, dem bisherigen Leiter des IQWiG zuzuhören, wenn er über seine Berufserfahrungen spricht. Jürgen Winkler hat 12 Jahre das Kölner „Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen“ geleitet. Dort wird u. a. untersucht, ob es einen Nutzen von neuen Medikamenten gibt, ob bestimmte Operationsmethoden sinnvoll, oder eher eine Geschäftsidee sind. Seine Aussagen gegenüber der Wochenzeitung DIE ZEIT haben es in sich. Ein Beispiel: Von mehr als 700 geprüften Medikamenten, hatten nur 40 % einen Zusatznutzen. Seine Kritik: Viele Medikamente sind zu teuer, es wird zu viel therapiert und operiert, aber zu wenig mit den Patienten gesprochen. Seine Empfehlung: Es sollten nur neue Medikamente und Verfahren zugelassen werden, die ausreichend erforscht sind. Im Umkehrschluss heißt das, dass viele Medikamente und Verfahren zugelassen sind, obwohl noch Wissenslücken über die Wirksamkeit bestehen. Der SPD-Gesundheitsminister Karl Lauterbach, der sich um viele Studien und Expertisen kümmert, müsste aber konsequenter als bisher, die Spreu vom Weizen trennen. Also nur wirklich erforschte und durch wissenschaftliche Studien belegte Medikamente und Verfahren in Arztpraxen und Krankenhäusern zulassen. Eigentlich selbstverständlich, urteilt der Laie. Die Praxis scheint aber eine ganz andere zu sein.

Rhader Text auf Grundlage des ZEIT-Artikels „Es wird zu viel operiert und zu wenig gesprochen“ vom 30.03.2023

 

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Willy Brandt, 15. September 1992

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