Deutschland ist siebzig Jahre nach
dem Zweiten Weltkrieg wieder Kriegspartei.
Es muß jetzt alles sehr schnell gehen.
Innerhalb einer knappen Woche soll
darüber entschieden werden,ob Deutschland
an der Seite Frankreichs in den Luftkrieg
gegen Syrien zieht. Das Bundeskabinett
hat schon entschieden, die Zustimmung im Parlament
gilt als sicher. Noch in diesem Jahr sollen die ersten
Kampfjets in Richtung Syrien fliegen, es sei denn,
technische Mängel hindern sie daran.
Ist diese Eile gewollt, damit in der Bevölkerung keine
großen Diskussionen aufkommen?
Oder entspricht dieses eilige Verfahren dem Ver-
langen einiger Politiker, wie auf der Münchner
Sicherheitskonferenz(2014) zu hören war, nach einem
außenpolitischen Gestaltungswillen dem Motto folgend,
"Deutschland muß mehr Verantwortung in der Welt
übernehmen?"-
Nur wer in den Krieg zieht, sollte erkennbare Ziele
haben, und die scheinen im Fall Syrien verwischt zu
sein. Folgende Fragen stellen sich mir:
Trägt die rechtliche Grundlage ohne UN-Mandat?
Wer "mischt" bei diesem Einsatz mit, und wer hat
das Kommando?
Was ist das Kriegsziel und was kommt danach?
Was ist mit den IS-Banden im Irak ?
Wie lange soll der Einsatz dauern?
Das Syrien-Mandat ist vorerst lt. Kabinett auf ein
Jahr begrenzt, Militärexperten sprechen jetzt schon
von 10 Einsatzjahren!
Sollen Bodentruppen eingesetzt werden?
Hier sprechen ebenfalls die Experten und sagen,:
"Aus der Luft ist der IS nicht zu besiegen; ohne
Bodentruppen geht es nicht."
Nach ca. fünf Jahren Syrienkonflikt ohne großes
deutsches Engagement sollten die Parlamentarier
doch mehr Zeit haben für eine grundlegende
Diskussion. Die afghanische Lektion sollte doch
Warnung genug sein !
Für alle Abgeordneten des Deutschen Bundestages
steht somit am Freitag eine elementar wichtige
Entscheidung an, und ich bin froh, dies nicht ent-
scheiden zu müssen.
Vielleicht hilft ein nachdenkliches Zitat von Albert
Einstein:
"Die Welt ist viel zu gefährlich, um darin zu leben-
nicht wegen der Menschen , die Böses tun, sondern
wegen der Menschen, die danebenstehen und sie
gewähren lassen."
Horst Bohlen