Ist die SPD jetzt nur noch der kleine Partner
der CDU, hat sie ihre soziale Kompetenz wegen
der Machtfrage aufgegeben?
Ein Beitrag von Horst Bohlen
Nach ca. 15 Monaten Großer Koalition in Berlin
Ist die SPD jetzt nur noch der kleine Partner
der CDU, hat sie ihre soziale Kompetenz wegen
der Machtfrage aufgegeben?
Ein Beitrag von Horst Bohlen
Nach ca. 15 Monaten Großer Koalition in Berlin
ist die politische Bilanz der Sozialdemokraten eigentlich
nicht schlecht. Mindestlohn, Rente mit 63 Jahren,Frau-
enquote, Mietpreisbremse, all das kann sich die SPD auf
ihre Fahnen schreiben, nur,die potentiellen Wähler rea-
gieren nicht und es kommt keine Begeisterung auf.
Die SPD verharrt im Umfragetief und liegt seit Monaten
bei +- 25% Zustimmung.
Gibt die SPD-Führung die Wahlen 2017 schon jetzt
verloren? Äußerungen des Parteivorsitzenden im bran-
denburgischen Nauen im Februar auf der Vorstandssit-
zung,oder wie jüngst beim Parteitag der Schleswig-Hol-
steinischen SPD in Neumünster lassen dies vermuten.
Dort sagte Sigmar Gabriel:"Angela Merkel ist eine gute
Bundeskanzlerin, solange wir aufpassen."
Was bedeutet diese Aussage? Ist die SPD zur Kontroll-
partei der CDU geschrumpft?
Dies kann doch nicht der Anspruch der Volkspartei
SPD sein!!- Nur wieso werden die durch die SPD
erreichten Reformen und Gesetze beim Wähler nicht
honoriert? Es ist so, dass der "Markenkern" der SPD
durch die Hartz-Reformen immer noch nachhaltig be-
schädigt ist. Zudem hat die SPD in der Großen Koalition
ihre Projekte zwar dem Namen nach durchgesetzt, jedoch
dabei enorme Abstriche machen müssen.
Der Mindestlohn wurde mit zu vielen Ausnahmen einge-
führt, und seine Höhe reicht nicht einmal für eine Rente
über der Armutsgrenze.
Die Rente mit 63 gilt nur für wenige, überwiegend männ-
liche Beschäftigte, für die meisten bleibt es bei der
Rente mit 67 Jahren.
Die hochgelobte Mietpreisbremse ist nur ein Reförm-
chen, denn bei Neuvermietungen darf zwar die Miete
nur noch um max.10% steigen (ortsübl.Vergleichsmiete),
jedoch senken muß ein Eigentümer die Miete nie. Für
Neubauten und sanierte Wohnungen gilt eine Mietpreis-
bremse überhaupt nicht.
Die Frauenquote, 30%, lt. Bundesjustizminister Maas
ein "Meilenstein", bezieht sich nur auf die Aufsichtsräte
von gut hundert börsenorientierten Großunternehmen.
Für ca. 3500 mittelgroße Betriebe gilt nur die von der
Union gewollte "Flexi-Quote". Hier dürfen sich die
Betriebe eigene Zielvorgaben beim Frauenanteil setzen.
Strafen bei Nichteinhaltung sind in diesem Gesetz nicht
vorgesehen, der Frauenplatz bleibt dann eben frei.
Unter Beachtung all dieser Punkte stellt sich die Frage:
Hat sich die SPD mit ihren Vorzeigeprojekten nicht unter
Wert verkauft? Sind deshalb auch keine besseren Um-
fragewerte möglich?
Welche großen Projekte bleiben jetzt noch für die SPD
im Hinblick auf das Wahljahr 2017?
Laut Koalitionspapier verbleibt nur noch das Projekt von
Frau Schwesig, gleiche Löhne für Mann und Frau bei
gleicher Arbeit. Weitere Profilierungsversuche scheinen
schwierig.
In der Energiepolitik kämpfen innerhalb der SPD der
ökologisch orientierte Flügel gegen die Kohle-Befürwor-
ter um Hannelore Kraft, und ein Einwanderungsgesetz
scheitert zunehmend an der Union, während das Tarif-
einheitsgesetz von Andrea Nahles am Widerstand der
Gewerkschaft, in Form von Verdi-Chef Frank Bsirske,
mit Recht zu scheitern droht.
Desweiteren wird die Auseinandersetzung um das Frei-
handelsabkommen TTIP der SPD noch Schaden zufügen
können. Der Widerstand in der Bevölkerung und in der
SPD wächst. Sigmar Gabriel versucht zwar die TTIP-
Kritiker in den eigenen Reihen durch Änderungsvorschläge
bei den umstrittenen Schiedsverfahren zu besänftigen,
doch hier wäre ein offener Dialog mit der Bevölkerung
und eine breite Auseinandersetzung mit diesem TTIP-
Thema ein Pfund mit dem die SPD punkten könnte.
Zusammenfassend bleibt zu sagen, die SPD als ewiger
Juniorpartner der CDU ist eine schlechte Vorstellung
und als Aufpasser-Partei der CDU reichen ja auch 15
statt 25 %. So kommen wir nicht aus dem Umfragetief;
aber Themen über die Ungerechtigkeiten in der Welt-
ordnung sind doch genug vorhanden, und bei deren Besei-
tigung sollte die SPD eine führende Rolle spielen.
Horst Bohlen

1. Vorsitzender: Andreas Kunstreich-Deutsch
„Nichts kommt von selbst. Und nur wenig ist von Dauer. Darum – besinnt Euch auf Eure Kraft und darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will und man auf ihrer Höhe zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll.“
Willy Brandt, 15. September 1992
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