Rechtsruck im Rathaus?
Mit Erschrecken las ich von erwogener Schließung des Stadtarchivs in
Leer durch Bürgermeisterin Beatrix Kuhl. Eine künftige Schließung nach
gerade einem Jahr Amtszeit in Erwägung zu ziehen, halte ich für
verantwortungslos.
Über die Grenze zu den Niederlanden hinweg geachtet, hat das Stadtarchiv
die Geschichte Leers zur Zeit des Nationalsozialismus in beispielhafter,
verantwortungsvoller und hervorragender Weise aufgearbeitet, sich unserer
Geschichte gestellt.
Ein Stadtarchiv, dass nicht nur Akten verwaltet, sondern durch die
engagierte Arbeit der Archivpädagogin Menna Hensmann eine Brücke zu
den Schülerinnen und Schülern der Schulen im Landkreis Leer schlägt und
so dem Antisemitismus, der Fremdenfeindlichkeit, der zunehmenden
Rechtsradikalität durch Aufklärung entgegen wirkt. Die Gräueltaten der
Nationalsozialisten, die hier in unseren Straßen stattfanden, werden durch die
Führungen von Menna Hensmann lebendig und sichtbar gemacht, vertieft
durch eindrucksvolle, berührende Ausstellungen. Namen bekommen
Gesichter. Es waren Menschen, Menschen aus Leer
.
Gerade in der Zeit des Aufkeimens von Hass, Feindlichkeit und
Radikalität, wie sie in den Medien tagtäglich zu sehen sind, brauchen wir
Aufklärung, brauchen wir unser Stadtarchiv. Für uns ist es unverzichtbar,
auch in Zukunft. Hier zu sparen wäre ein fatales Zeichen.
Beate Stammwitz
