Zutiefst erschütternd
Nach dem Kentern eines voll besetzten Schiffes werden Hunderte Menschen vermisst. Es ist vermutlich eine der schlimmsten Tragödien der letzten Jahre. „Wir dürfen nicht länger zulassen, dass Europa an seinen Außengrenzen nicht Menschlichkeit, sondern allzu oft den Tod bringt“, mahnte SPD-Parteichef Sigmar Gabriel am Sonntag.
Bei einer der schlimmsten Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer sind möglicherweise 700 Menschen ums Leben gekommen. Ihr Boot kenterte nach Angaben der italienischen Küstenwache etwa 70 Seemeilen (130 Kilometer) vor der libyschen Küste.
Kampf gegen kriminelle Schleuserbanden
"Das sind erschütternde Nachrichten, die uns in diesen Stunden erreichen“, so der SPD-Parteivorsitzende in einer ersten Stellungnahme am Sonntag. „Wir dürfen nicht länger zulassen, dass Europa an seinen Außengrenzen nicht Menschlichkeit, sondern allzu oft den Tod bringt“, mahnte er. Er forderte, dass „alle europäischen Polizei- und Grenzbehörden mit aller verfügbaren Kraft den Kampf gegen kriminelle Schleuserbanden, die mit dem Elend von Menschen Geschäfte machen, aufnehmen müssen.“ Er sprach sich für einen internationalen Einsatz gegen Schlepperbanden aus. „Und wir müssen den Ländern - zurzeit vor allem Libyen - helfen, stabile Strukturen aufzubauen und mit dem Flüchtlingsstrom fertig zu werden."
"Wir müssen endlich wieder die Seenotrettung auflegen"
Auch Staatsministerin Aydan Özoğuz (SPD) zeigte sich am Sonntag tief erschüttert. „Dass wieder so viele Menschen auf dem Weg nach Europa ihr Leben verloren haben, ist ein Armutszeugnis für uns alle“, sagte sie. Wir dürften deshalb keine Zeit mehr verlieren, denn es sei zu befürchten, dass mit den wärmeren Temperaturen in den kommenden Wochen und Monaten noch mehr Schutzsuchende über das Meer kommen würden. „Deshalb müssen wir endlich die Seenotrettung wieder auflegen“, so die Forderung der Flüchtlingsbeauftragten der Bundesregierung. „Es war eine Illusion zu glauben, dass die Einstellung von Mare Nostrum Verzweifelte davon abhalten wird, die lebensgefährliche Fahrt über das Mittelmeer zu wagen.“
Özoğuz stellte klar, dass die Menschen nicht fliehen würden, weil sie kalkulierten, rechtzeitig gerettet zu werden. Die Flucht der Menschen aus ihrer Heimat beruhe auf der Angst um ihr Leben und um das ihrer Kinder. Die SPD-Politikerin fürchtet: „Wenn wir nichts unternehmen, wird das Mittelmeer noch für viel mehr Flüchtlinge zum Massengrab."