1933 bis 1938
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 hatten die Juden in Ostfriesland unter Repressionen staatlicher Organe zu leiden. Zunächst wurden sie registriert und die Gestapo überprüfte bei einigen die politische Gesinnung. Auch Vereine, Organisationen und Veranstaltungen standen mit Beginn der nationalsozialistischen Diktatur unter Beobachtung. Am 28. März 1933 erließ Anton Bleeker, der Standartenführer für Ostfriesland, ein Schächtverbot für alle ostfriesischen Schlachthöfe und ordnete die Verbrennung der Schächtmesser an.
Dies führte zu einem ersten größeren Zwischenfall am 31. März 1933, als die Synagoge von bewaffneten SA-Männern umstellt wurde. Die SA erzwang die Herausgabe der Schächtmesser, um sie anschließend auf dem Marktplatz zu verbrennen. War der Antisemitismus bis 1933 eine unbedeutende Randerscheinung in Ostfriesland geblieben, wurde er nun von der Mehrheit getragen. Die Boykottaufrufe der Nationalsozialisten verfehlten ihr Ziel nicht. Auf dem Viehmarkt in Leer, dem größten Markt dieser Art, war jetzt ein Teil für Juden abgezäunt. Dadurch verschlechterte sich die ökonomische Lage der Inhaber. Einer nach dem anderen musste aufgegeben und wurde somit auf kaltem Wege "arisiert".
Die Novemberpogrome von 1938
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 kam es auch in Leer zu den von der Reichsleitung der Nationalsozialisten befohlenen Ausschreitungen gegen die Juden, die später als "Reichskristallnacht" oder Novemberpogrome 1938 bezeichnet wurden. Erich Drescher, Bürgermeister der Stadt Leer, wurde von der Gauleitung Oldenburg zu Hause angerufen und in groben Zügen über die geplanten Aktionen informiert. Zusammen mit seinem Neffen, der zufällig zu Besuch weilte, wurde er von seinem Fahrer Heino Frank zum Rathaus gebracht, wo er mit dem Standartenführer Friedrich Meyer eine Unterredung führte, die der Abstimmung der Aufgabenbereiche diente. Beide wurden in dieser Nacht wahrscheinlich unabhängig voneinander über die Vorgänge informiert. [1].
Meyer begab sich nach dem Gespräch nach Weener, um hier den Befehl an den Führer der SA, Sturmbannführer Lahmeyer, weiterzugeben. Währenddessen sammelte sich die SA auf dem Uferplatz im Leeraner Hafen und marschierte weiter zum Lyzeum an der Gaswerkstraße, dem heutigen Teletta-Groß-Gymnasium. Dort wurden die Männer in verschiedene Trupps zum Anzünden der Synagoge und zur „Aufholung“ der Juden eingeteilt. Die Synagoge in der Heisfelder Straße wurde mithilfe von Benzin in Brand gesetzt. Ebenso sollte die Wohnung des Kantors und Vorsängers Joseph Wolffs “ausgeräuchert” werden (“Wir wollen den Wolf in seiner Schlucht ausräuchern” wurde von einem beteiligten SA-Mann in dieser Nacht vernommen). Die anwesende Leeraner Feuerwehr beschränkte ihre Tätigkeit unter den Augen Erich Dreschers anweisungsgemäß auf den Schutz der Nachbarhäuser (”Hier wird nicht gelöscht, das Ding muß weg!” soll Drescher auf den Gefahrenhinweis der Feuerwehr entgegengebracht haben). Fast sämtliche Juden aus der Stadt und dem Landkreis Leer wurden im städtischen Viehhof in Nesse zusammengetrieben und misshandelt. Im Laufe des Vormittags wurden die Frauen, Kinder und nicht arbeitsfähige Männer entlassen, sodass noch 56 Männer, zusammen mit etwa 200 anderen jüdischen Ostfriesen, nach Oldenburg überführt wurden. Dort wurden sie in einer Kaserne zusammengetrieben. Ca. 1.000 jüdische Ostfriesen, Oldenburger und Bremer wurden anschließend in einem Zug in das Konzentrationslager Sachsenhausen nördlich von Berlin deportiert, wo sie bis Dezember 1938 oder Anfang 1939 in den Lagern inhaftiert blieben. Nach und nach wurden sie wieder freigelassen.
Aus Wikipedia. Bild Stadt Leer
