Das massenhafte Nein zu Pegida von Bürgern und
Prominenten zeigte auf für die Demokratie
wichtige Art den Lerneffekt im Umgang mit
Rassismus. Aber es verbreitet sich erstaunlicher-
weise die Vorstellung, man müsse mit Pegida-An
hängern reden.-- Kann man durch Dialog heilen?
Ein Beitrag von Horst Bohlen
Es ist schon erstaunlich, welche Aufmerksamkeit die
selbsterklärten Verteidiger des Abendlandes in den
letzten Wochen durch Funk,Fernsehen, Talkshows und
Politikerbesuche erhalten.
Inzwischen werben nicht nur AfDler und Teile der Union
öffentlich um Verständnis für die Sorgen und Ängste
der rassistisch grundierten Mitläufer,sondern auch der
SPD-Vorsitzende und Vizekanzler Sigmar Gabriel.
Ist es richtig im Falle von Sigmar Gabriel, Leute aufzu-
werten, die ausländerfeindliche Parolen skandieren und
hinter schwarz-rot-gold lackierten Kreuzen herlaufen?
Ich meine nein! Auch nicht, wie Herr Gabriel sagt,als
Privatmann.
Der Privatmann Gabriel gehört auf die Seite derjenigen,
die gegen Ausländerhass und irrationale Ressentiments
protestieren.
Zudem desavouiert er mit dem Auftritt seine General-
sekretärin und seinen Justizminister, die sich klar gegen
jeden Dialog mit Pegida ausgesprochen haben.
Außerdem vermittelt der SPD-Vorsitzende mit seinem
Besuch Verständnis für Leute,die Nazis und Rassisten
hinterherlaufen und Menschen nichtdeutscher Her-
kunft Angst und Schrecken einjagen.-- Gerade erst
hat der deutsche Außenminister, Frank-Walter Stein-
meier davon gesprochen,daß diese Pegida-Aufmärsche
dem deutschen Ansehen in der Welt schaden.
Herr Gabriel, die Pegidisten benötigen keine Betreuung
politpsychologischer Art, es sind erwachsene Menschen,
die für ihre Sprüche und das Hinterherlaufen hinter
diesen "Rattenfängern" selbst verantwortlich sind.
Denn wenn Minderheitenhetze in Deutschland so viel
Beachtung findet, und Politik da am ehesten reagiert,
wo am lautesten gepöbelt wird, wie ist es dann wohl
um unsere Demokratie bestellt?
Horst Bohlen