Die Beziehung zwischen den USA und Russland sind auf einem Tiefpunkt. Seit fünf Jahren wurde nicht mehr über die Reduzierung von Atomwaffen verhandelt und viele wichtige Rüstungskontrollabkommen liegen brach. Dazu kommt der Konflikt in der Ukraine. Präsident Putin lässt demonstrativ wissen, dass er während der Krim- Übernahme Atomwaffen aktiviert hatte. Die NATO übt mit nuklearen Systemen im Baltikum. Die Lage spitzt sich bedrohlich zu.
Dieses Jahr wurde turnusgemäß der Atomwaffensperrvertrag überprüft. Alle fünf Jahre treffen sich die 190 Mitgliedsstaaten und verhandeln darüber, wie der Vertrag umzusetzen ist. Seine Wichtigkeit ist nicht zu unterschätzen. Denn seit seinem Inkrafttreten 1970 hat er nicht nur die Zahl der Atomwaffenstaaten bei weniger als zehn gehalten; er enthält auch in Artikel VI den Schlüssel zur Beendigung der nuklearen Ära. Dieser Artikel verpflichtet alle Parteien zur Abrüstung und sogar zur Verhandlung eines Vertrags, der die Ächtung und Vernichtung aller Atomwaffen regelt. Im Mai 2015 gingen die Mitgliedsstaaten aber nach Ende der Überprüfungskonferenz mit leeren Händen nach Hause. Die Umsetzung des Artikels VI ist keinen Millimeter weiter gekommen.
Die Hiroshima- Überlebenden leiden noch heute
Die heute noch lebenden Überlebenden der Atombombenabwürfe von 1945 werden immer weniger. Sie haben sich dazu verpflichtet, alles in ihrer Macht stehende zu tun, dass niemand künftig etwas ertragen muss, wie sie es mussten und müssen. Denn die Lebenden leiden immer noch: an Leukämie, Blasen- , Brust und Lungenkrebs, Gehirntumoren, Schilddrüsen- und Darmkrebs, Herz- Kreislauf- Erkrankungen, Katarakten, Immunschwächen und Hormonstörungen. Bei Überlebenden werden zudem erhöhte Raten von Erbgut- Schädigungen gefunden, die ihre Nachkommen über Generationen belasten können.
Seit Hiroshima und Nagasaki wissen wir, der Einsatz von Atomwaffen hat katastrophale humanitäre Folgen. Dabei waren die damaligen Atombomben relativ klein im Vergleich zu den Atomwaffensystemen mit Mehrfachsprengköpfen auf ballistischen Raketen von heute. Staatenkonferenzen in Norwegen, Mexiko und Österreich beschäftigten sich jüngst mit den humanitären Folgen und kamen zur Schlussfolgerung: Es gibt keine adäquate humanitäre Hilfe für die Opfer, nicht einmal nach dem Einsatz einer einzigen Atombombe. Nur Prävention kann helfen. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes und weitere humanitäre Organisationen sind derselben Meinung: Die einzige mögliche Antwort ist die Ächtung der Atomwaffen.
Wenige dürfen nicht über das Schicksal aller entscheidenWie erreichen wir einen Ächtungsvertrag? 113 Staaten zeigen einen Weg vor. Als Unterstützer der Erklärung „Humanitarian Pledge“ verpflichten sie sich, völkerrechtliche Schritte für ein Verbot von Atomwaffen einzuleiten. Wir erleben einen Paradigmenwechsel: Die atomwaffenfreien Staaten ermächtigen sich, Atomwaffen zu verbieten und damit die Atomwaffenstaaten politisch zu isolieren. Denn weniger als zehn Staaten dieser Welt bedrohen unser aller Existenz. Gerade sie dürfen nicht entscheiden, ob wir Atomwaffen ächten dürfen, oder nicht.
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