08. November 2014
08. November 2014
SPD.de: Welche Erinnerungen habt ihr an die aufregende Zeit im Jahr 1989?
Manuela Schwesig: Ich war 15. Ich habe den Umbruch gespürt, aber erst später für mich einordnen können. Der Zusammenbruch der DDR hat mich sehr geprägt. Ich erlebte die Wende als Schritt zur Freiheit, aber auch als unfreiwilligen Reifungsschritt, da meine Eltern durch die Umbrüche in Alltag und Arbeitsleben extrem verunsichert waren. Diejenigen, die wie ich bei der Wende 14, 15, 16 Jahre alt waren, sahen sich von heute auf morgen auf sich selbst gestellt. Für unsere Mütter und Väter hatte sich die Welt geändert, sie hatten genau wie ihre Kinder mehr Fragen als Antworten. Unsere Generation musste alles neu denken.
Ich habe erfahren, dass Dinge, die scheinbar unverrückbar sind, über Nacht zusammenbrechen können. Ich habe miterlebt, dass ein politisches System nicht in Stein gemeißelt ist. Im Positiven heißt das: Ich habe erfahren, dass wir Dinge verändern können. Diese Gewissheit ist unheimlich wertvoll – gerade in der Politik: Nichts als gegeben hinnehmen, alles immer wieder hinterfragen und nach besseren Wegen suchen. Im Umkehrschluss heißt es aber auch: Sozialer Friede und Demokratie sind alles andere als selbstverständlich. Beides muss jeden Tag von Neuem verteidigt und erkämpft werden
Hannelore Kraft: Die Jahre 1989/1990 machen mich unendlich stolz, denn Mauerfall, Gründung der SDP und Wiedervereinigung symbolisieren auf einzigartige Weise einen „Sieg der Demokratie“. Wir alle dürfen nicht vergessen, dass die demokratische Bürgerrechtsbewegung in der damaligen DDR die Verhältnisse erst ins Wanken gebracht hat. Der Freiheitswille der Menschen hatte gesiegt und die Mauer der Unfreiheit buchstäblich niedergerissen. Deutlich wurde dieser Freiheitswille auch durch die Gründung der SDP, mit der man dem Machtmonopol der SED entgegentrat. Wie immer in den nun 151 Jahren Sozialdemokratie waren es Genossinnen und Genossen, die Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität an die erste Stelle setzten. Die mutig und willensstark Gesellschaft verändern wollten, für die Menschen unseres Landes.
SPD.de: Beeinflussen die Geschehnisse von damals auch euer politisches Handeln von heute?
Hannelore Kraft: Natürlich, denn ein Jubiläum ist gleichermaßen Verpflichtung. Verpflichtung, an die friedliche Revolution zu erinnern und auch das Andenken an die zahlreichen Opfer wachzuhalten, die den Versuch, aus der DDR zu fliehen, mit ihrem Leben bezahlt haben. Genauso bleibt es eine kontinuierliche Herausforderung, unser demokratisches Gemeinwesen gesellschaftlichen Veränderungen anzupassen. Wir müssen Acht geben, dass unsere Gesellschaft nicht auseinanderdriftet in einen kleinen Teil, der noch Anteil an Politik nimmt, und in eine wachsende Zahl von Bürgerinnen und Bürgern, die mit Politik nichts mehr anfangen können oder wollen.
Manuela Schwesig: 1989/1990 gab es keine einzige Biografie in Ostdeutschland, die nicht verändert worden ist. Alle Ostdeutschen haben mitbekommen, wie man plötzlich auf sich selbst gestellt war. Dabei sind wir in einem Staat aufgewachsen, der vieles vorgeschrieben und geregelt hat. Ich habe schnell gelernt, du musst dein Leben selbst in die Hand nehmen.
Ich habe es als junges Mädchen so empfunden, dass mir seit der Wende Tür und Tor offenstehen. Aber ich habe auch die Enttäuschungen und existentiellen Sorgen früh erlebt, die meine Eltern hatten. Ich weiß, was Arbeitslosigkeit in der Familie bedeutet. Ich weiß, was es bedeutet, wenn Freunde abwandern. Ich persönlich finde es toll, zur Hälfte Ostdeutsche zu sein – und mit zunehmendem Alter eine gesamtdeutsche Biografie zu haben. Ich bin eine große Demokratie-Verfechterin. Gleichzeitig verstehe ich aber, dass viele der Menschen im Osten, die heute arbeitslos sind oder eine Mini-Rente bekommen, nicht jeden Tag Freiheit und Demokratie preisen.
Die Erfahrungen sind Teil meiner Identität und es ist wichtig, dass sie ihren Ausdruck finden – auch und gerade wenn es darum geht, über das Zusammenwachsen unseres Landes zu sprechen und darüber, wie wir uns das Leben in Ostdeutschland zukünftig vorstellen.
SPD.de: Durch eure politischen Ämter – aber auch privat – reist ihr viel durch Deutschland und seht das Zusammenwachsen von Ost und West sicher aus ganz eigenem Blickwinkel? Gibt es noch das typisch Ostdeutsche oder das typisch Westdeutsche? Oder ist diese Begrifflichkeit überholt?
Manuela Schwesig: Nach vielen Begegnungen mit Frauen und Männern aus dem Osten und dem Westen sind mir die historisch gewachsenen Unterschiede bewusster. Ich weiß, dass ich es als Frau leichter habe, Beruf und Familie zu vereinbaren, als andere Frauen, weil ich mich nie rechtfertigen musste. Meine Mutter hat in meiner Kindheit sogar mal zusätzlich zum Beruf ein Fernstudium gemacht. Sie war immer mittwochs nicht da und mein Vater hat für meinen Bruder und mich gekocht. Seine Bratkartoffeln sind bis heute hervorragend.
Es war einfach selbstverständlich, dass Mann und Frau Kinder haben und arbeiten. Ich stehe heute für eine moderne Familienpolitik, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Mütter und Väter ermöglicht – in Gesamtdeutschland.
SPD.de: Und wie siehst du das? Gibt es noch das typisch Ostdeutsche oder das typisch Westdeutsche?
Hannelore Kraft: Es gibt sicher das typisch Ost-, West-, Nord- und Süddeutsche. Jede Region und jedes Bundesland hat seine Charakteristika und die Menschen der Regionen ihre Eigenarten, aber das runterbrechen in „Ost“ und „West“ hat längst nachgelassen. Vor allem für Jugendliche ist das geeinte Deutschland ganz normal. Deutschland ist zusammengewachsen – auch für mich.
SPD.de: Hat euch denn eine Politikerin oder ein Politiker aus dem „anderen“ Teil Deutschlands geprägt bzw. beeindruckt?
Manuela Schwesig: Ja. Malu Dreyer, die amtierende Ministerpräsidentin aus Rheinland-Pfalz. Sie regiert das Land auf eine ganz offene, ehrliche und bodenständige Art. Sie hat einen klugen Kopf, ein großes Herz und immer ein Ohr für die Belange der Menschen und deren Sorgen. Mit Malu kann man kämpfen, streiten und lachen. Ich habe sie vor sechs Jahren kennengelernt, als sie Sozialministerin wurde. Sie kämpft für soziale Gerechtigkeit und ist trotz der Härte, die im politischen Geschäft notwendig ist, immer sehr sympathisch.
SPD.de: Wie ist das bei dir?
Hannelore Kraft: Ich hatte vor vielen Jahren die Gelegenheit, Regine Hildebrandt kennenzulernen. Wenn ich eine Politikerin im Gedächtnis behalten habe, dann diese ehrliche und herzliche Frau. Wir waren uns einig, dass man als Politikerin und Politiker immer nah an den Menschen bleiben muss. Bei uns in Nordrhein-Westfalen heißt das: „Der Mensch gehört in den Mittelpunkt!“ Sie hat es auf ihre charmante Art, mit „Politik geschieht schon gar nicht dort, wo man sich den Hintern plattsitzt.“, auch treffend zusammengefasst.

1. Vorsitzender: Andreas Kunstreich-Deutsch
„Nichts kommt von selbst. Und nur wenig ist von Dauer. Darum – besinnt Euch auf Eure Kraft und darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will und man auf ihrer Höhe zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll.“
Willy Brandt, 15. September 1992
| Besucher: | 1162722 |
| Heute: | 279 |
| Online: | 1 |
Bei gutem Wetter treffen wir uns Sonntags um 11.00 Uhr vorm Vereinsheim Frisia Loga. Wir gehen etwa eine Stunde. Neue Gesichter (auch ohne Parteibuch) sind herzlich willkommen.
Wir spenden Blut, denn wir lieben das Leben!!
Die nächste OV - Sitzung findet, am 11.08.2026, in Günters Hütte, im Lütjeweg statt.
AG 60plus trifft sich jeden 2. Mittwoch im Monat um15:00 Uhr in der SPD- Geschäftsstelle, Leer, Friesenstr.
Vorsitz: Anja Troff-Schaffarzyk
Tel.: 0491 – 611 60
Fax.: 0491 – 535 3
Per Email: anja.troff-schaffarzyk.wk@bundestag.de
Mitglieder des OV-Heisfelde-Nüttermoor:
Beate Stammwitz
Anja Troff-Schaffarzyk
Telefon:+49 30 227 73923
Mail: anja.troff-schaffarzyk@bundestag.de