
Lieber Ehrenbürger unserer Stadt Leer,
dass wir das ehemalige Synagogengrundstück – nach langen Verhandlungen mit der Firma
Wittrock – zurück in die Verantwortung der Gemeinschaft der Stadt Leer nehmen können, ist
ein längst fälliger Akt, ein kraftvolles Zeichen gegen das Vergessen.
Die Schoa war der tiefste Zivilisationsbruch unserer Geschichte. Millionen jüdischer Männer,
Frauen und Kinder wurden entrechtet, verfolgt und ermordet. Auch hier in unserer Stadt
wurden Nachbarn zu Opfern, wurden Leben zerstört, wurde Menschlichkeit verraten. Diese
Erinnerung verpflichtet uns.
Lieber Herr Weinberg, es war ihr Herzenswunsch schon zum 100. Geburtstag, am 20.02.26
war es endlich so weit. Alle, Politik, Rat, Verwaltung und vor allem die Bürgerinnen und
Bürger der Stadt haben sich dafür eingesetzt, haben gespendet, haben unterstützt und freuen
sich jetzt mit ihnen, dass der Kaufvertrag endlich unterschrieben werden konnte!
Sie haben die Verfolgung überlebt. Sie haben uns Ihre Geschichte anvertraut. Wir haben von Ihnen gelernt, hinzusehen und nicht zu schweigen. Dafür gebührt Ihnen Ehre und tiefster Respekt.
Die Gestaltung des Grundstücks der ehemaligen Synagoge ist in guten Händen. Es soll
Erinnern und zugleich Hoffnung tragen. Hoffnung darauf, dass Menschlichkeit stärker ist als
Hass. Die Erinnerung stärker ist als Verdrängung. Und dass wir als Stadt Verantwortung
übernehmen – heute und in Zukunft.
In Dankbarkeit und mit großem Respekt verneigen wir uns vor Ihnen – und vor allen Opfern
der Schoah.
Der SPD Ortsverein Heisfelde-Nüttermoor
Text: Beate Stammwitz Foto: Privat
