12. Oktober 2014 - Rainer Vogt
Friedenspreis für Jaron Lanier
Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2014 für den amerikanischen Internet-Pionier und Internet-Kritiker Jaron Lanier. (Foto: dpa)
Jaron Lanier ist Programmierer, Musiker, Vordenker, Visionär und Aufklärer. Kaum jemand habe die Gefahren und Risiken der Digitalisierung grundsätzlicher benannt als er, würdigt EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) den Amerikaner. Jaron Lanier erhielt am Sonntag in Frankfurt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Martin Schulz hielt die Laudatio.
Jaron Lanier (Foto: Insightfoto.com/dpa)
Jaron Lanier (Foto: Insightfoto.com/dpa)
Die Welt steht vor einer großen Herausforderung: Nach der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert verändert nun die digitale Revolution erneut unsere Gesellschaft grundlegend. Mit allen Chancen - aber auch mit großen Risiken. Stellvertretend für alle, die diese wichtige Debatte über die digitale Zukunft führen, erhielt der Kalifornier Jaron Lanier am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
Lanier hatte sich als Schöpfer virtueller Realitäten einen Namen gemacht, bevor er zunehmend als Kritiker großen Internetkonzerne Aufmerksamkeit bekam. Mit der Verleihung des Friedenspreises an einen kritischen Internet-Denker lade der Börsenverein des Deutschen Buchhandels noch mehr Menschen zu dieser Diskussion ein.
„Denn der Aushandlungsprozess, in dem wir uns derzeit befinden, die Frage also, welche digitale Vision sich im 21. Jahrhundert durchsetzen wird, ist eine Frage des Friedens. Sie betrifft uns alle. Sie entscheidet über unsere zukünftige Freiheit, über Gerechtigkeit und ob wir in einer humanen, solidarischen, pluralistischen und kreativen Welt leben werden“, so Schulz in seiner Würdigung des einstigen Spiele-Programmierers.
Martin Schulz (SPD), Präsident des Europäischen Parlaments (Foto: Susie Knoll)
Warnungen von Lanier werden gehört - ob sie allgemein gehalten sind: "Die gesamte Wirtschaft organisiert sich gerade neu, indem die Leute durch Algorithmen, durch Computerprogramme, überwacht werden: Wir sammeln Unmengen an Daten über die Leute, formen daraus Profile und setzen ihnen dann Werbung vor, die eigentlich gar keine Werbung mehr ist, sondern eine Modifizierung des Verhaltens."
Aber auch wenn er konkret wird: "Die Zeitungsverleger haben Recht, und Google liegt falsch. Und das, was die Verleger wollen, nutzt langfristig auch Google, weil so eine reichere, stabilere Gesellschafft entsteht, in der Google florieren kann. Mit Googles Methode dagegen verarmt die Gesellschaft, und auf lange Sicht hungert das Google selbst aus."
Kaum jemand habe die Gefahren und Risiken grundsätzlicher benannt als Jaron Lanier, so Schulz. „Seine Kritik ist nicht kulturpessimistisch, schon gar nicht technologiefeindlich, sondern er mahnt aus der Position eines kenntnisreichen, zur Sache selbst aber loyalen Oppositionellen. Dadurch sind seine Überlegungen, die er in Büchern, Artikeln, Vorträgen und Interviews vorgelegt hat, besonders erhellend. Und deshalb wird er heute zu Recht mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.“
Hier zum Download: die Laudatio von Martin Schulz [PDF, 132 kB] zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an Jaron Lanier.