70.000 Pflegekräfte in Niedersachsen
müssen nun per Gesetz Pflichtmitglieder
in einer neuen Pflegekammer werden.
Dabei hatte man gedacht, dass die Zeiten
von Pflichtmitgliedschaften schon lange
vorbei seien.
Am Montag hatte der Landtag in Hannover
mit den Stimmen der rot-grünen Koaliti-
on den sehr umstrittenen Gesetzentwurf
verabschiedet. Die Pflegekammer stößt
schon einen Tag nach dem Beschluß auf
heftige Kritik. Der Paritätische Wohlfahrts-
verband äußerte: "Die Kammer ist ein großer
Verwaltungsapparat ohne wirkliche Befugnisse."
Mit dieser Selbstverwaltung versucht die Politik
nach meiner Meinung ihre Verantwortung für
bessere Pflege auf ein Kammermonster mit
geplanten 53 Vollzeitstellen zu übertragen.
Pflegefachkräfte haben einen Zwangsbeitrag
von ca. 100 Euro pro Jahr zu entrichten.
Die Anmeldepflicht zu dieser Kammer soll mit
einem Zwangsgeld bis zu 2.500 Euro durchge-
setzt werden. Vom Gesetzgeber ist beabsich-
tigt, durch die Kammergründung die Attraktivi-
tät des Pflegeberufes zu steigern. Die Berufs-
ordnung und die Weiterbildung soll durch die
Kammer geregelt werden. Die Qualität der
Pflege soll gesichert und auch bei der
Gesetzgebung soll die Kammer gehört werden.
Nur, und das sind die für mich entscheidenden
Faktoren, die für eine bessere Pflege nötig
wären, wie da sind: bessere Bezahlung, mehr
Personal, bessere Arbeitsbedingungen und aus-
reichende finanzielle Mittel für die Einrich-
tungen, sollen nicht zu den Aufgaben der
Pflegekammer gehören.
Zufriedene Pflegekräfte in Krankenhäusern,
Altenheimen usw. erhalte ich dann, wenn ich
ihnen eine Wertschätzung in Form einer gerech-
ten und guten Bezahlung zukommen lasse!
Hier muss das Bestreben aller sein, einen ver-
nüftigen Tarifvertrag "Pflege" zu entwickeln,
der für private und kommunale Einrichtungen
Gültigkeit hat. Eine Pflegekammer, wie sie
jetzt im Parlament beschlossen wurde, verhan-
delt keine Tarife, kann keine Standards der
Pflege setzen, keine Personalschlüssel festle-
gen, dies ist Aufgabe des Gesetzgebers.
Entlassen wir die Politik nicht aus der Verant-
wortung und lassen wir die Beschäftigten nicht
durch Zwangsbeiträge öffentliche Aufgaben
bezahlen.
Es geht uns alle an ! Wir brauchen einen Auf-
schrei aller, denn wir könnten die Patienten
und Pflegefälle der Zukunft sein. Dazu gehört
eine ehrliche Diskussion darüber, was uns gute
Pflege und Heilbehandlung wert ist.
Horst Bohlen