Aufruf zur Großkundgebung
12. September 2014 - Jochen Wiemken
Antisemitismus hat in Deutschland keinen Platz. (Foto: dpa)
Ein breites zivilgesellschaftliches und politisches Bündnis will am Sonntag in Berlin ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus setzen. Mit dabei sind der Bundespräsident, die Bundeskanzlerin, der Vizekanzler und die SPD-Generalsekretärin. „Der Kampf gegen Ressentiments, Hass und Ausgrenzung ist aber nicht nur etwas für Sonntage, sondern muss jeden Tag stattfinden – im Beruf, im Alltag und in der Freizeit“, so Yasmin Fahimi.
In den vergangenen Wochen haben sich weltweit mehrere antisemitische Vorfälle ereignet, so auch in Deutschland. In Wuppertal wurde nachts ein Molotowcocktail auf eine Synagoge geworfen. Auf propalästinensischen Kundgebungen gegen den israelischen Militäreinsatz im Gazastreifen waren in mehreren deutschen Städten judenfeindliche Sprechchöre gerufen worden. Antisemitische Hetzparolen, tätliche Angriffe und Bedrohungen gegen Menschen jüdischen Glaubens sowie Anschläge auf Synagogen lösten nicht nur in der jüdischen Gemeinschaft, sondern in großen Teilen der Gesellschaft tiefe Besorgnis und Entsetzen aus.
„Antisemitismus darf in Deutschland keinen Platz mehr finden“, betont die SPD-Generalsekretärin. Die SPD kämpfe seit mehr als 150 Jahren für Gleichberechtigung, Solidarität und ein friedliches Miteinander.
Bedrohlichste Zeit seit 1945
Dieter Graumann, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, zeigt sich besorgt über aktuelle antisemitische Vorfälle. „Das sind die schlimmsten Zeiten seit der Nazi-Ära“, sagte er der britischen Tageszeitung The Guardian. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, zeigte sich ebenfalls entsetzt: Im Schlepptau der Islamisten wetterten die Extremisten von Links und Rechts „sowie leider auch nicht wenige aus der Mitte der Gesellschaft“.
Mit einer Großkundgebung will der Zentralrat der Juden in Deutschland am 14. September am Brandenburger Tor in Berlin ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen. Die Aktion unter dem Motto „Steh auf! Nie wieder Judenhass!“ stößt auf großes Interesse und breite gesellschaftliche und politische Unterstützung.
Große Zahl an Unterstützern
Neben der SPD unterstützen die CDU und CSU, Grüne, FDP und Linke samt ihrer Stiftungen sowie der Deutsche Fußball-Bund, die Deutsche Fußball Liga, der Deutsche Olympische Sportbund, der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Deutsch-Israelische Gesellschaft, der Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und die Wall AG die Kundgebung.
SPD-Spitze bei Kundgebung
Ihr Kommen zugesagt haben unter anderem Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Vizekanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel, die stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Manuela Schwesig und Ralf Stegner, SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi und der SPD-Bundesschatzmeister Dietmar Nietan.
Gabriel: Gegen Antisemitismus zur Wehr setzen
Bereits Ende Juni hatte Gabriel eine klare Antwort der Zivilgesellschaft auf antisemitische Ausfälle wegen Israels Offensive im Gaza-Streifen gefordert. „Jeder darf in Deutschland gegen die Politik der israelischen Regierung demonstrieren, genauso wie es erlaubt wäre, gegen die Hamas zu demonstrieren“, sagte der SPD-Parteichef. „Was in Deutschland absolut inakzeptabel und verboten ist, was wir unterbinden müssen, sind antijüdische Tiraden.“ Deswegen sei es wichtig, klarzumachen, „dass sich das Zentrum der Gesellschaft dagegen wehren muss, dass in Konfliktsituationen sich hier der Fanatismus, der Antisemitismus und das Menschenverachtende in Demonstrationen Bahn greift“, so Gabriel.
Zeichen setzen: Für ein tolerantes und weltoffenes Deutschland!
Angriffe auf die jüdische Gemeinschaft sind Angriffe auf die gesamte Gesellschaft.
Deshalb sind alle Demokratinnen und Demokraten aufgerufen, den Antisemiten und den Feinden der Demokratie nicht das Feld zu überlassen. Kommen auch Sie!
Großkundgebung „Steh auf! Nie wieder Judenhass!“
am Sonntag, den 14. September,
um 15 Uhr,
vor dem Brandenburger Tor in Berlin.