Rente mit 65,67,69,71 Jahren ?
Wer bietet mehr ?
Im am Mittwoch von den Wirtschaftsweisen
vorgestellten Jahresgutachten liegt das
Hauptaugenmerk wieder einmal auf der
demografischen Entwicklung.
Bis zum Jahr 2080 prognostizieren die
Herren, sitzend in ihren Elfenbeintürmen,
das Renteneintrittsalter auf 71 Jahre.
Sie sehen in der demografischen Entwicklung das
Ende unserer Sozialsysteme und somit die Zukunfts-
fähigkeit der deutschen Wirtschaft gefährdet.
Bei sachlicher Betrachtung ist erst einmal festzu-
stellen : Toll, wir werden älter und bleiben länger
mobil und aktiv. Dies ist eine gute Sache und sollte
viel öfter betont werden.
Natürlich bringt dies einige Herausforderungen mit
sich, aber es ist nicht der Untergang des Abend-
landes. "Immer weniger Erwerbstätige müssen immer
mehr Ruheständler finanzieren" ist die Schreckens-
meldung der letzten Jahre.
Nur hierbei ist zu bedenken,für die Finanzierbarkeit
unserer Sozialsysteme ist nicht die Zahl der Arbeit-
nehmer entscheidend, sondern die Leistungsstärke
der deutschen Wirtschaft. Das ist die Basis des
Wohlstands. Zwischen 1995 und 2014 ist das
deutsche Bruttosozialprodukt um gut ein Viertel
gewachsen, ohne dass dafür mehr menschliche
Arbeitskraft benötigt wurde. Im Jahr 2014 wurde
also mit gleich viel Arbeitsaufwand deutlich mehr
hergestellt als vor ca. 20 Jahren. Das ist die oft
bei Diskussionen vergessene Produktivitätssteigerung.
Sie wird in den kommenden Jahren noch einmal deut-
lich zunehmen, da im Zuge der Digitalisierung der
Wirtschaft weiteres Wachstum möglich wird.
Die Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung,
gemessen an der Wirtschaftsleistung, lagen 2013
ziemlich genau auf dem Niveau von 1993. Seit dem
Jahr 2000 sind sie sogar von 10,5 auf 9,7 Prozent
des Bruttoinlandsprodukts gesunken, d.h. die Ge-
sellschaft gibt einen immer kleineren Teil ihres
Reichtums für Renten aus.
Diese Verteilung des Reichtums ist letztendlich eine
Frage der politischen Prämissen. Es geht darum, in
was für einer Gesellschaft wir leben wollen !
Ich plädiere für eine Gesellschaft, die auf den
Grundprinzipien der Solidarität aufgebaut ist, in der
keiner Angst haben sollte im Alter in die Armut
abzugleiten, nur weil das Geld fehlt. Daher finde
ich die Antworten der Wirtschaftsexperten zur Rente
nicht sehr weise.
Horst Bohlen